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E-Learning wirkt sofort
 
 
E-Learning ist Lernen, das mit Informations- und Kommunikations- Technologien bzw. darauf aufbauenden Systemen unterstützt und ermöglicht wird.
Von Oliver Bendel

Der Begriff „E-Learning“ ist nicht auf die technologische Ebene beschränkt, sondern zielt auch auf ganz unterschiedliche Aspekte auf der Prozess-, Strategie- und Kulturebene ab. Unterarten bzw. Gefässe sind E-Learning im Unternehmen (Corporate E-Learning), E-Learning an (Hoch-)Schulen und E-Learning im privaten Bereich. Lernprozesse sind E-Training, E-Collaboration und Just-in-time E-Learning. Bei E-Training geht es um die individuelle mittel- und langfristige Vermittlung von Wissen, wobei sowohl lerner- als auch lehrerzentrierte Methoden gegeben sein können. Bei E-Collaboration steht der Austausch von Wissen innerhalb von Gruppen über elektronische Medien im Vordergrund. Bei Just-in-time E-Learning handelt es sich um die Befriedigung von akuten Informations- und Lernbedürfnissen. Typische Angebote im E-Learning- Bereich sind Computer-based Trainings, Web-based Trainings und Lern- und
Wissensportale.

E-Learning tritt in der Regel nicht in seiner „Reinform“ auf, sondern als Blended Learning. Unter „Blended Learning“ versteht man die Kombination von unterschiedlichen Methoden und Medien aus Präsenzunterricht und E-Learning. Mittels einer geeigneten Zusammenstellung soll das Lehrziel einer Bildungsmassnahme möglichst effizient und effektiv erreicht werden. Dabei werden entweder Methoden und Medien redundant angeboten, sodass Benutzer gemäss ihren Präferenzen und Kompetenzen lernen können, oder einzelne Module bauen aufeinander auf und ergänzen sich. So findet häufig am Beginn eines Kurses eine Präsenzveranstaltung statt, bei der sich die Teilnehmer kennen lernen, wodurch eine wichtige Voraussetzung für E-Collaboration geschaffen wird. Umgekehrt können zum Einstieg auch Computer-based Trainings oder Web-based Trainings eingesetzt werden, wenn Lernende in Vorbereitung auf den Präsenzunterricht auf einen einheitlichen Wissensstand gebracht werden sollen.

Social Software dient der Vernetzung von Gleichgesinnten und deren Kommunikation und Kooperation über das Internet. Social Software-Plattformen aller Art, Weblogs und Wikis werden als typische Vertreter angesehen. Aber auch Gästebücher und Diskussionsforen, Instant Messengers und Chats zählt man dazu. Über Social Software können Social Networks wie XING und Facebook entstehen. Das Web 2.0 wird wesentlich durch Social Software-Anwendungen bestimmt. Im E-Learning-Bereich ist Social Software von enormer Bedeutung. Insbesondere werden Weblogs und Wikis benutzt, als Medien der E-Collaboration und des Brainstormings oder im Sinne von Lerntagebüchern und Anwendungsprotokollen.

E-Learning und Blended Learning entfalten ihre Stärken unter ganz bestimmten Bedingungen. Dazu kann eine temporäre Beschränkung, ein zeitlicher Druck gehören: E-Learning wirkt sofort. Oder eine Verteiltheit der Lernenden, eine landes- oder sogar weltweite. Wenn es sich zudem um eine grosse Anzahl von Lernenden handelt, kommt man an E-Learning kaum vorbei. Für Banken und Versicherungen ist E-Learning ebenso selbstverständlich wie für die Polizei, die manche Erkenntnisse innerhalb von Stunden an den Mann oder die Frau bringen muss. Auch körperliche Einschränkungen können für E-Learning sprechen, vor allem solche, die den Bewegungs- und nicht den Wahrnehmungsapparat betreffen. Doch sogar bei Sehstörungen ist E-Learning - nicht zuletzt wegen der möglichen auditiven Funktionen – eine Option.

E-Learning ist allerdings kein Allheilmittel. Man sollte bedenken, dass gewisse Formen im Bereich des E-Trainings mehr schaden als helfen. Etwa solche, bei denen lineare Texte ohne Notwendigkeit in Hypertexte zerstückelt wurden. Oder bei denen aus Präsentationsfolien Kurse generiert wurden, die aus vielen kleinen, wenig aussagekräftigen Lerneinheiten bestehen. Gegenüber solchen Ansätzen weisen klassische Skripten und Bücher - ob in gedruckter Form, als PDF für den Computer oder in einem mobilen Format für das Handy - entscheidende Vorteile auf. Insbesondere kann man als Autor in langen, linearen Texten besser einen roten Faden legen, eine stabilere Argumentationskette schmieden und eine grössere Komplexität entwickeln. Der Lernende kann selbst hypertextuelle Strukturen in die Linearität hineindenken.

E-Collaboration, etwa über Social Software, ist eine in vielen Zusammenhängen geeignete Methode. Verschiedene Plattformen wie Seniorweb zeigen, dass auch Ältere aktiv in Foren sind und Blogs und Wikis schätzen. Es wird erkannt, dass die Vernetzungen das Lehren und Lernen oder den Erfahrungs- und Wissensaustausch unterstützen können. Just-in-time E-Learning spielt in Unternehmen eine wichtige Rolle, und auch in der zweiten Lebenshälfte von Privatpersonen sind Bedürfnisse für schnelle Lösungen per Internet vorhanden. Es gibt noch viel zu lernen und zu erforschen.

 
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Zur Person:
Prof. Dr. Oliver Bendel 
lehrt arbeitete in Deutschland und in der Schweiz als Projektleiter im Bereich Neue Medien und leitete technische und wissenschaft liche Einrichtungen an Hochschulen. Heute lebt er als freier Schriftsteller in der Schweiz und lehrt und forscht als Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Nordwestschweiz, mit den Schwerpunkten E-Learning, Wissensmanagement, Web 2.0 und Mobile Business. Weitere Informationen www.oliverbendel.net
 
Podcast:


Hören Sie die Sendung
Seniorenstudenten:
Der Traum vom lebenslangen Lernen.

aus SWR2 «Wissen»
 
Weitere Beiträge (PDF):
Bildung im Alter

Lernmotivation und Lernkompetenz im Alter

Besser lernen im Alter mit Bewegung
 
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Ausgabe
März 2010
 
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